Unser Rohkaffee – alles fair und nachhaltig?

Für uns sind fairer Handel und ökologische Nachhaltigkeit Grundvoraussetzungen guten Kaffees. Ein überdurchschnittliches Tassenprofil ist uns allerdings auch sehr wichtig, der Kaffee soll für sein Geld ja auch ein bestmögliches Geschmackserlebnis liefern. Dafür sind neben einer guten Röstung und Frische vor allem die verwendeten Bohnen verantwortlich. Deshalb sind wir bei unserer Kaffeeauswahl nicht den „einfachen“ Weg gegangen, ausschließlich Bio- und Fairtrade-zertifizierte Kaffees zu verwenden. Das würde mit einer Zertifizierung unsererseits, sowie entsprechenden Siegeln auf den Packungen zugegebenermaßen für Einfachheit und „Klarheit“ bezüglich einer, auf den ersten Blick, unbedenklichen Herkunft der verwendeten Kaffees führen. Allerdings würden wir uns hinsichtlich des Geschmacks und der Vielfalt unserer Überzeugung nach stark einschränken, und andere nachhaltige und herausragende Erzeuger aus unserem Sortiment ohne triftigen Grund ausschließen. Das wiederum fänden wir unfair.

Von allen uns bekannten Siegeln finden wir das verbreitete „F..rtrade“ (im folgenden mit FT abgekürzt) mit Abstand am besten organisiert und durchgeführt, zudem beinhaltet dieses Siegel auch eine Zusage zu ökologischem Anbau – Fairness und gesunde Arbeits- und Lebensbedingungen funktionieren nur zusammen. Leider ist es aber so, dass der sichere „FT-Hafen“ wenig Anreiz für Top-Qualität bietet, die Erzeuger kriegen auch für mäßige Qualität das gleiche Geld. Zudem wird nur ein Teil der Ernte von FT abgekauft. Das führt dazu, dass die Erzeuger sich die bessere Ware für den hart umkämpften freien Markt einbehalten, wo sie für bessere Qualität auch mehr Geld bekommen. Auch bei der Problematik globaler Überproduktion ist FT leider keine Lösung – Kleinbauern mit schlechter organisierten Strukturen werden von den gut organisierten, meist sehr großen FT-Kooperativen in den „normalen“ Kaffeemarkt gedrängt, trotz teilweise deutlich besserer Qualität und ebenfalls nachhaltigen Anbaus.

Sich als Erzeuger auf dem an der Börse gestalteten, gradezu lächerlichen Weltmarkt-Preis „auszuruhen“ ist allerdings keine gute Option. Zuletzt fiel dieser auf das historische Tief von 0,91$/Pfund. Das ist knapp 50% unter den geschätzten reinen Produktionskosten bei „durchschnittlicher“ Qualität, von den Kosten für Qualitätsware garnicht zu reden. Als Resultat werden Kaffee- gegen Kokain-Pflanzen getauscht, weitere Folgen sind Hunger, Migration und Kinderarbeit. Jeder, der als Röster oder Endkunde Kaffee zu Dumpingpreisen kauft hat dies mitzuverantworten. Bei dieser Gelegenheit möchten wir gerne auch dazu aufrufen, sich über verschiedene „Fairness“-Siegel im Internet schlau zu machen.

Nach unserer Einschätzung sind Direkter-Handel zwischen Röster und Erzeuger, oder Kaffeewettbewerbe, wie sie glücklicherweise immer mehr kaffeeproduzierende Länder austragen, schlüssigere Lösungen, um Nachhaltigkeit und Qualität auf natürliche Weise zu fördern. Bei diesen Wettbewerben werden alle eingereichten Kaffees bewertet, und je nach erreichter Punktzahl angemessen bis hochpreisig versteigert. Das bietet den Bauern einen enormen Anreiz, nicht wie über viele Jahre auf Masse, sondern auf Qualität bei der Produktion zu setzen.

Alle unsere Rohkaffees sind aus fair- und ökologisch-produzierten Quellen. Wir sind stolz, auch als Kleinröster inzwischen etwa die Hälfte davon aus direktem Handel beziehen zu können. Dadurch können wir den Bauern einen Preis über dem FT-Mindestpreis zahlen, ohne dass Kooperativen oder andere Organisationen daran mitverdienen.